Der Stundenverrechnungssatz ist der Preis, den ein Handwerksbetrieb seinem Kunden für eine Arbeitsstunde berechnet. Er deckt neben dem Lohn auch Lohnnebenkosten, die Gemeinkosten des Betriebs sowie Wagnis und Gewinn. Deshalb liegt er deutlich über dem Stundenlohn, den der Mitarbeiter erhält.
Beispiel aus dem Betrieb
Ein Malerbetrieb rechnet für einen Gesellen: 52.000 Euro Personalkosten im Jahr einschließlich Arbeitgeberanteilen, Urlaub und Krankheit, verteilt auf 1.500 produktive Stunden, ergeben rund 34,70 Euro. Dazu kommen 30.000 Euro Gemeinkosten für Fahrzeug, Werkstatt, Büro und Versicherungen je produktivem Mitarbeiter, also 20 Euro pro Stunde. Mit 12 Prozent Zuschlag für Wagnis und Gewinn liegt der Stundenverrechnungssatz bei etwa 61 Euro netto.
Dein Stundenverrechnungssatz entscheidet, ob ein Auftrag Geld bringt. Ist er zu niedrig, arbeitest du voll ausgelastet und verdienst trotzdem nichts. Hier steht, wie du ihn berechnest und wofür du ihn brauchst.
Was ist ein Stundenverrechnungssatz?
Der Stundenverrechnungssatz ist der Nettopreis für eine produktive Arbeitsstunde. Produktiv heißt: eine Stunde, die du einem Kunden berechnen kannst. Alle anderen Stunden, etwa für Büro, Fahrten ohne Berechnung, Urlaub und Krankheit, muss dieser Satz mitbezahlen. Eine gesetzliche Formel gibt es nicht. Jeder Betrieb rechnet ihn aus seinen eigenen Zahlen.
Wie berechne ich den Stundenverrechnungssatz?
Du rechnest in vier Schritten:
- Personalkosten je Mitarbeiter: Bruttolohn plus Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung, Beiträge zur Berufsgenossenschaft und weitere Lohnnebenkosten.
- Produktive Stunden: bezahlte Stunden im Jahr minus Urlaub, Feiertage, Krankheit, Weiterbildung und nicht berechenbare Zeiten.
- Gemeinkosten: alle Kosten, die keinem Auftrag direkt zugeordnet sind, etwa Fahrzeuge, Werkstatt, Miete, Büro, Software, Versicherungen und dein eigener Unternehmerlohn.
- Wagnis und Gewinn: ein Zuschlag auf die Selbstkosten.
Die Formel lautet:
Stundenverrechnungssatz = (Personalkosten + anteilige Gemeinkosten) ÷ produktive Stunden × (1 + Zuschlag für Wagnis und Gewinn)
Rechenbeispiel
Die Zahlen sind ein Beispiel, keine Branchenwerte:
| Posten | Betrag |
|---|---|
| Personalkosten je Geselle im Jahr | 52.000 Euro |
| Gemeinkosten je produktivem Mitarbeiter | 30.000 Euro |
| Produktive Stunden im Jahr | 1.500 |
| Selbstkosten je Stunde | 54,67 Euro |
| Zuschlag Wagnis und Gewinn, 12 Prozent | 6,56 Euro |
| Stundenverrechnungssatz netto | 61,23 Euro |
Wo liegen die typischen Fehler?
Der häufigste Fehler sind zu viele angesetzte produktive Stunden. Zieh von der bezahlten Arbeitszeit ehrlich alles ab, was du keinem Kunden berechnen kannst. Der zweite Fehler ist ein fehlender Unternehmerlohn in den Gemeinkosten. Prüfe deinen Satz mindestens einmal im Jahr und nach jeder Lohnerhöhung.
Wofür brauchst du den Stundenverrechnungssatz?
- Angebot und Kostenvoranschlag: Er ist die Grundlage jeder Lohnposition im Angebot.
- Stundenlohnarbeiten: Bei Stundenlohnarbeiten rechnest du die Stunden direkt zu diesem Satz ab. Im VOB/B-Vertrag gilt der vereinbarte Satz. Fehlt eine Vereinbarung, gilt die ortsübliche Vergütung (§ 15 Abs. 1 VOB/B).
- Nachkalkulation: In der Nachkalkulation bewertest du die tatsächlichen Stunden damit.
Wo craftflowOS dir dabei hilft
In der Zeiterfassung buchen deine Mitarbeiter ihre Stunden auf das Projekt, und du siehst die Ist-Stunden je Projekt. Mit deinem Stundenverrechnungssatz bewertest du sie für Rechnung und Nachkalkulation. Den Satz selbst berechnest du wie oben.
Allgemeine Information, keine Rechts- oder Steuerberatung. Stand: 31. Oktober 2026.
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